Erzählabend

 

Nach einer längeren Aktionen-Pause in den Semesterferien gab es am letzten Mittwoch im Anschluss an einen der Semestergottesdienste einmal wieder die Gelegenheit, mit Mitgliedern der Paulusgemeinschaft ins Gespräch zu kommen und mit ihnen in Erinnerungen an nervenaufreibende, aber auch an sehr lustige Wohnheims-Ereignisse zu schwelgen. Dieser Erzählabend findet in unregelmäßigen Abständen statt und ist für uns Bewohnende immer wieder eine schöne Möglichkeit, etwas über die Vergangenheit des Paulus-Kollegs von seinem Bau im Jahr 1953 bis zum heutigen Tag zu erfahren.


Die Paulus-Gemeinschaft ist unsere Trägerorganisation, die das Haus in den 1950er-Jahren gegründet hat, um einen Mittelpunkt für ihre Treffen und auch Wohnraum für Studenten (ja, nur Männer, aber dazu kommen wir später noch genauer) zu schaffen. Auch unsere Heimleiter*innen haben eigentlich immer die ein oder andere Verbindung in Richtung Paulusgemeinschaft.
Mit viel Eigeneinsatz wurde damals das erste Gebäude des Paulus-Kollegs – heute der Altbau und die Kapelle – auf einem vom Bischof geschenkten Grundstück gebaut. Wer das PK kennt, kann es sich wohl kaum ohne das benachbarte Universitätsklinikum und die vielen umliegenden Häuser des gemütlichen Sentruper Familienviertels vorstellen, doch damals erfolgte der Bau noch im absoluten Nirgendwo, zu dem nur ein Feldweg – die heutige Waldeyerstraße – führte. Die Mitglieder der Paulus-Gemeinschaft haben in diesem Umfeld unter fachkundiger Einweisung von 2 Maurern den Großteil des Hauses selbst hochgezogen.


Die ersten Frauen im PK sind offiziell 1993 nach langen Diskussionen innerhalb der Paulus-Gemeinschaft eingezogen. Erst nachdem sich sowohl Heimleitung, als auch Studenten in anderen Wohnheimen von dem Funktionieren gemischtgeschlechtlicher Wohnheime überzeugt hatten, wurde schließlich auch im PK dieser Schritt gewagt. Dadurch erhoffte man sich den Erzählungen nach außerdem mehr Kreativität und Sauberkeit. Ersteres hat offenbar gut funktioniert, das zweite wohl eher weniger… Zuerst hatten die Frauen noch ihren privaten Bereich im oberen Neubau, aber schon nach 1 Jahr war die Geschlechtertrennung durch hausinterne Umzüge aufgehoben. Heute sind wir alle froh über unsere bunte Mischung Studierender verschiedener Fachrichtungen und Nationalitäten und würden dieses Zusammenleben nie eintauschen. Wenn ihr auch die inoffizielle Story der ersten Frau im PK hören wollt, müsst ihr aber wohl beim nächsten Erzählabend selbst vorbei kommen.


Sicherlich ist das Paulus-Kolleg eins der wenigen Wohnheime, in dessen Geschichte sich ein Schaf als Rasenmäher findet. Nach einigen Konflikten zwischen den Studenten der 68er-Generation und der damaligen Heimleitung Herrn Busemann über die Notwendigkeit des Rasenmähens, beschlossen die Bewohner spontan, ein Schaf namens Paulus anzuschaffen, das auch immerhin 1,5 Jahre seinen Dienst in unserem Garten geleistet hat.
Auch in anderen Zusammenhängen war die 68er-Generation wohl nicht immer leicht im Umgang, wie die Geschichte zeigt, nach der ein Student sein Zimmer inklusive Bodens und Decke (in einem ansonsten komplett weißen Haus) rot gestrichen hat. Am entsprechenden Heizkörper sind heute noch Spuren davon zu entdecken.


Alles in allem war der Abend sehr interessant und mit vielen witzigen Anekdoten gespickt. Wir danken allen, die mit ihren Geschichten dazu beigetragen haben, und freuen uns schon auf den nächsten Erzählabend – schließlich gibt es noch so viel zu erzählen. Vielleicht hören wir dann auch noch einmal die Geschichte vom Motorrad in der Kapelle, aber das werden wir dann bei der nächsten Gelegenheit sehen.